Oberberg. In den nächsten Wochen
werden vermehrt große Schlangen auftauchen: 80 bis 100
Zentimeter lange Tiere mit schwarz-dunkel-silbrig bis kupferner
Grundfarbe und weiß-gelblichen Querstreifen hinter dem Kopf.
"Das sind keine Giftschlangen oder Exoten, sondern
Ringelnatter-Weibchen," sagt Marko Prietz. Der
Reptilienfachmann des Naturschutzbundes (NABU) Gummersbach
erhält im Sommer viele Anrufe oft besorgter Gartenbesitzern.
"Die schwangeren Ringelnatter-Weibchen suchen Komposthaufen,
um ihre Eier abzulegen. Jetzt ist Eiablage-Zeit."
Ringelnattern leben meist abseits der Orte, am Bach, in
Feuchtgebieten oder Brachflächen. Dort jagen sie
hauptsächlich Amphibien.
Michael Schmitz von der NABU-Kinder- und Jugendgruppe
"Wipperkids" hat solche Eiablagestellen am Biotop am
Grennebach zwischen Dohrgaul und Schmitzhöhe gezielt angelegt:
"Die wechselwarmen Nattern können ihre Eier ja nicht wie
Vögel ausbrüten - sie müssen für ihre Gelege
warme Stellen finden. Normalerweise suchen sie dafür
Ansammlungen vermodernder Pflanzenabfälle." Dort
entwickeln sich durch die Verrottung Temperaturen von um die 30
Grad, durch die die Nattern-Eier ausgebrütet werden.
Ringelnatter-Weibchen suchen gezielt solche Stellen - und geraten
so auch an Komposthaufen.
Die Schlangen legen ihre zehn bis 30 Eier im Komposthaufen ab. Ohne
Störungen entwickeln sich die jungen Schlangen in ein bis zwei
Monaten.
"Man sollte Komposthaufen deswegen erst im Oktober
umsetzen, damit die Jungtiere in Ruhe schlüpfen
können," rät Michael Schmitz. Nach dem
Schlüpfen (von August bis September) verlassen die jungen
Ringelnattern die Ortschaften meist umgehend und wandern in die
Feuchtgebiete und Brachflächen - t weil es ihnen in den
Ortschaften an Amphibien-Jungtieren als geeigneter Nahrung mangelt.
"Man muss vor Ringelnattern keine Angst haben. Beißen tun
sie nicht, sondern flüchten sofort oder stellen sich tot.
Hochheben sollte man sie dennoch nicht. Ringelnatter können
ein stinkendes Sekret zur Abwehr einsetzen! Lassen Sie den Nattern
lieber ihre Ruhe," rät Christoph Buchen vom NABU
Morsbach.


